Die sitzende Zange Teil 1: Paschimottanasana – kann ich das essen?
31. August 2016
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Unter den verschiedenen Schreibweisen – Paschimottanasana, Paschimatanasana oder Paścimottānāsana verbirgt sich eine beliebte Asana die in vielen Serien, Kriyas und Sequenzen des modernen Körper Yogas zu finden ist: die sitzende Zange. Der Sanskrit Name setzt sich aus den Komponenten „Westen“ (wird häufig als Körperrückseite gedeutet), „starke Dehnung“ oder „Streckung“ und „Position“, bzw. „Stellung“ zusammen.

Die frühste Erwähnung von Paschimottanasana findet sich in der Hatha Yoga Pradipika.[1] Das Werk wird im Allgemeinen auf das 15./16. Jh. datiert. [2] Über Paschimottanasana findet sich folgender Eintrag (HYP 1/28):

Stretch both legs on the ground like sticks. Grasp the toes with both hands. Rest the forehead on the knees. This is Paschimatanasana.[3]

Viele Infos über die genaue Ausführung gibt es hier nicht, dafür aber Hinweise wie die Asana wirken soll (HYP 1/29):

This Paschimatanasana is foremost among asanas. It reverses the breath‘s flow, kindles the fire oft the stomach, flattens the belly and brings good health to men.[4]

Leider wird in der Hatha Yoga Pradipika weder erklärt, wie ich meine Stirn auf die Knie bekomme, noch warum dies mein Verdauungsfeuer anregt. In den knappen Absätzen des Textes wird eine vom historischen, philosophischen und religiösen Kontext abhängige Sprache gewählt, die ohne Hintergrundwissen missverständlich bleibt. In den Beschreibungen werden zudem energetische, körperliche und spirituelle Wirkungen der Asanas vermischt und die Bedingungen für das Erreichen der Wirkung nicht oder nur sehr metaphorisch aufgeführt.

Es bleibt einem als interessierten Yogi folglich nicht anderes über, als sich selber mit der Asana auseinanderzusetzen und weitere Quellen, aber auch das eigene Denken und Erproben einzusetzen, um der sitzenden Zange auf die Spur zu kommen. In den folgenden Posts werde ich hauptsächlich die physischen Wirkungen der Asana betrachten, da dies schon ausreichend komplex ist, vor allem, wenn man verschiedene Ausführungen der Asana miteinbezieht. Ich versuche die Ausführungen und ihre Wirkungen so zu beschreiben, dass man die Ergebnisse für die eigene Praxis oder den Unterricht nutzen kann. Wie immer freue ich mich über Ergänzungen und persönliche Erfahrungen.

Nächstes Mal: Welche Muskeln werden in der sitzenden Zange gedehnt, welche gekräftigt, für welche Ziele kann man die Asana einsetzen. Zeigen werde ich dies mit Christiane Athmer, der mein herzlichster Dank gilt!! Wer mehr von ihr sehen möchte schaut hier: http://www.christiane-athmer.de/

 

 

 

[1] Zur Hatha Yoga Pradipika kommt demnächst ein eigener Post; über den Kontext des Werkes und vor allem über die verschiedenen Deutungen der doch recht kurzen Anweisungen und Erklärungen zu den 15 verschiedenen Asanas. Bei der obigen Datierung schließe ich mich Singleton, Yoga Body, S. 28 an.

[2] Nicht nur für das Hatha Yoga Pradipika, sondern auch für viele andere der im Westen häufiger rezipierten Yoga Werke gilt, dass ihr Alter (und auch ihre Bedeutung) nur schwer geschätzt werden kann, da Vergleichswerke fehlen oder nicht zugänglich sind und Überlieferungstraditionen nur schwer nachzuvollziehen sind. Es ist folglich durchaus denkbar, dass es neben dem Hatha Yoga Pradipika weitere ältere Werke gibt in denen die sitzende Zange erwähnt wird.

Genau diesem Thema, der Erschließung, Überlieferung und Deutung von primär Quellen zum Yoga, soll sich das (leider erst) 2017 erscheinenden Buch von Singleton und Mallinson „Roots of Yoga“ widmen…. Ich warte gespannt.

[3] Akers, S. 12.

[4] Akers, S. 12.

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3 comments

  1. Eine Asana das im längst überfällige Buch „Yoga für dicke Männer“ gehörig überarbeitet gehört. Hier nicht in Frustration zu enden, ist dann jedoch wahrhaft yogisch. Da kann kein gereinigter Energiekanal mithalten.
    btw. sehr schöne Hilfsmittel-Verwendung …

    … sagt der Block und Gurtverweigerer

    1. Jaaaaa Juchhuhhhh, lass uns das Buch schreiben, ich bin sofort dabei, würde es aber auf alle Geschlechter ausweiten wollen 🙂

      1. Das empfiehlt sich aus rationalen Gründen sogar überdeutlich. Denn „dicke Männer“ sind als Zielgruppe einfach nicht groß genug. 🙂