Ebay und Avidya
15. October 2015
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Ich möchte neue Wolle kaufen. Im Laden ist sie mir zu teuer. Ich brauche sie auch nicht wirklich – ich habe den ganzen Schrank voller Wolle. Aber die Neue wäre wirklich aus Naturmaterialien, anders als die Billige die meinen Vorrat darstellt. Sie würde ein besseres, hochwertigeres und haltbareres Endprodukt ergeben. Also schaue ich bei Ebay. Ich schaue nur mal, ob gerade eine schöne Farbe zu einem guten Preis zu finden ist. Nur schauen.

Da ist sie, gleich mehrere, alle schön. Eine Stunde, eine Stunde und 12 Minuten und 38 Minuten. Eine halbe Stunde kann ich warten. Mache unnütze Dinge am Rechner, damit ich nicht den richtigen Zeitpunkt zum Bieten vergesse. Sinn macht das nicht. Ich kann mich auf nichts wirklich konzentrieren. Immer wieder schauen. Dann ist es soweit, mein Herz schlägt schneller, soll ich bieten, brauche ich die Wolle wirklich, noch schnell schauen, was sie im Original kostet, lohnt es sich, steht es mir zu? Die Entscheidung ist nicht überlegt, sie wird durch den roten Countdown getrieben, mein Denken ist verschleiert durch Avidya, durch Raga, das Habenwollen. Schon beim Bieten fühle ich wie aus Avidya Dukkha entsteht. Aber statt anzuhalten, mache ich weiter. Die Gedanken und Gefühle jagen mich. Kein Durchatmen, kein Loslassen, keine Ruhe – keine Wolle. Ich war nicht bereit genug zu zahlen.

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2 comments

  1. Du hattest eine Stunde, 12 Minuten und … nochmal 38 Minuten? … Jedenfalls hattest du Spannung und Aufregung. Das ganz Gratis. Und hast nebenbei gelernt, das nichts schlimmes passiert, wenn weder Avidya, Raga noch das Habenwollen zum Zuge kommen.

    1. nichts schlimmes? Man hat mir Wolle vorenthalten, fast so schlimm wie einen Rock nicht kaufen. Da bekommen meine Literaturempfehlungen im Post von letzter Woche (u. a. Gewaltfreie Kommunikation) eine ganz neue Bedeutung 🙂